
Immerhin kann sich bei diesem Grand-Prix Gold Turnier in der Saarbrücker Saarlandhalle der Gewinner einer jeden Disziplin 7.000 Weltranglistenpunkte auf die Habenseite schreiben. Da sind die insgesamt 120.000 US-Dollar Preisgeld eigentlich nur eine nette Zugabe. Denn im vorolympischen Jahr gilt für die Athleten vor allem eines: Punkte sammeln. Jetzt ist der Anmeldeschluss für das Turnier beendet und was sich hier auf der Meldeliste tummelt, ist ganz großes Badminton. Alle starken Badminton-Nationen wie China, Indonesien, Malaysia, Thailand, Japan, England und Dänemark sind vertreten.
Die Weltelite ist in Saarbrücken am Start
Vor allem das Dameneinzel verspricht, ein heißer Tanz zu werden. Hier versuchen die Chinesin Xin Liu und die Dänin Tina Baun, es der Deutschen Juliane Schenk so schwer wie möglich zu machen. Alle drei bewegen sich in der Weltrangliste auf ähnlichem Niveau – die amtierende Europameisterin Baun ist derzeit auf Nummer acht gelistet, die Chinesin steht auf der Sieben und Schenk belegt Platz sechs. Aber die WM-Bronze-Gewinnerin aus Krefeld ist in Saarbrücken an Position eins gesetzt und zurzeit in bestechender Form: Ende September stand die 28-Jährige in Japan zum ersten Mal in ihrer Karriere bei einem SuperSeries Turnier im Finale. „Bei den Bitburger Open habe ich meinen ersten Grand-Prix-Sieg eingefahren – an diesem Turnier hängen viele schöne Momente und Erfahrungen. Ich freue mich, wenn ich auch in diesem Jahr im Saarland viele Badmintonfans begeistern und ihnen Weltklasse-Badminton zeigen kann“, sagt die zurzeit beste europäische Dameneinzel-Spielerin.
Insbesondere die Verantwortlichen der Badminton-Weltmacht China scheinen das Saarland ins Herz geschlossen zu haben. Sie schicken zum wiederholten Male ein extrem starkes Ensemble nach Saarbrücken. Dabei zeigen sie sich experimentierfreudig. Sie würfeln beispielsweise im Mixed die Paarungen wild durcheinander. Der mit einer anderen Partnerin in der Welt an Position sieben geführte Tao Jiaming tritt in der Saarlandhalle erstmals mit Huan Xia an. In der Findungsphase scheint auch Hanbin He. Dem Bronze-Medaillengewinner der Olympischen Spiele in Peking stellt man in diesem Jahr mit Yixin Bao schon die dritte Frau an seine Seite. Und das erfolgreich, Anfang Oktober holten sich die beiden den Sieg bei den Indonesien Open. Diese neuen Paarungen haben noch nicht genügend Weltranglistenpunkte gesammelt und tauchen somit auch nicht in der Setzliste auf – doch sie sind mehr als nur ein Geheimtipp.
Mit dem britischen Mixed-Paar Chris Adcock und Imogen Bankier haben die aktuellen Vize-Weltmeister von London gemeldet. Weiter sind mit Joachim Fischer Nielsen und Christinna Pedersen die Weltranglisten-Dritten und WM-Bronze-Gewinner von 2009 am Start – die Dänen sind an Position eins gesetzt. Und die Zuschauer dürfen sich in diesem Jahr auf eine Badminton-Ikone freuen. Zum ersten Mal wird Nathan Robertson gemeinsam mit Jenny Wallwork bei den Bitburger Open aufschlagen. Der Engländer errang im Mixed mit seiner damaligen Partnerin Gail Emms den Europameistertitel, es folgte Olympia-Silber in Athen und 2006 der Weltmeistertitel. Starke Konkurrenz also im gemischten Doppel, wo sich auch die in der Weltrangliste derzeit auf Platz neun stehenden Michael Fuchs und Birgit Michels etwas ausrechnen. „Dass die Bitburger Open aufgrund der Olympia-Qualifikation noch stärker besetzt sind als sonst, war mir klar. Aber für uns ist das natürlich ein ganz besonderes Turnier. Es ist ein Heimspiel. Wir würden gerne unseren Finaleinzug aus dem vergangenen Jahr wiederholen, allerdings wird das eine sehr schwere Aufgabe. Aber: Wir brauchen uns nach den Ergebnissen aus den vergangenen Monaten auch nicht zu verstecken und werden alles daran setzen, so weit wie möglich zu kommen", sagt Michael Fuchs, der am Olympia-Stützpunkt an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken trainiert. Dort befindet sich auch das Koordinationsbüro der Bitburger Open, wo die Spieler-Meldungen eingingen. „Eine der ersten war das Damendoppel Mizuki Fujii und Reika Kakiiwa. Die Japanerinnen belegen im Moment den Weltranglistenplatz drei und konnten bei der WM die Bronze-Medaille gewinnen“, weiß Veranstaltungsleiter Frank Liedke. Ihnen den Schneid abzukaufen, ist das Ziel des besten deutschen Damenduos. Birgit Michels und Sandra Marinello sind im Moment in der Welt auf Position 18 gelistet, bei den Bitburger Open belegen sie in der Setzliste hinter Line Damkjaer Kruse und Marie Roepke aus Dänemark den dritten Rang.
Was Frank Liedke ein Lächeln ins Gesicht zaubert, löst bei anderen Sorgenfalten aus. „Ich sehe die Besetzung der diesjährigen Bitburger Open mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite freue ich mich, weil es natürlich für die Zuschauer gut ist, wenn das Turnier sehr gut besetzt ist und es tollen Badminton-Sport zu sehen gibt. Auf der anderen Seite ist es schlecht, weil durch das extrem starke Teilnehmerfeld weniger Quali-Punkte für uns Deutsche bleiben“, meint Martin Kranitz, der Sportdirektor des Deutschen Badminton Verbands (DBV). Dabei sollte der Vorteil eines Grand-Prix Gold Turniers im eigenen Land nicht unterschätzt werden: Seit acht Jahren gibt es in Saarbrücken keine Endspiele ohne deutsche Beteiligung. Und einige DBV-Akteure liegen voll auf Kurs. Neben Schenk sowie dem Mixed Fuchs-Michels konnte auch das an Position drei gesetzte Herrendoppel Ingo Kindervater und Johannes Schöttler mit einer glänzenden Bilanz bei Top-Turnieren auf sich aufmerksam machen. In dieser Disziplin kommen die Favoriten aber auch aus dem skandinavischen Nachbarland. Die diesjährigen All England Gewinner und Weltranglisten-Dritten Carsten Mogensen und Mathias Boe sind hier wohl das Maß aller Dinge. Natürlich wird auch Deutschlands bester Herreneinzel-Spieler und der an Position zwei gesetzte Marc Zwiebler alles daran setzen, sich den Olympia-Traum zu erfüllen. Neben Zhengming Wang aus China sind seine schärfsten Konkurrenten bei den Bitburger Open der an Position eins gesetzte Jan Ø. Jørgensen und Hans-Kristian Vittinghus aus Dänemark.
Abgesehen von hochklassischem Sport wird bei den Bitburger Badminton Open traditionell auch ein vielfältiges Rahmenprogramm geboten. Neben der legendären Players-Party, die in diesem Jahr erstmals am Turnier-Samstag stattfindet, sorgt im attraktiven Publikumsbereich der Saarlandhalle eine bunte Mischung aus Gastronomie, Unterhaltung und Shopping für bestes Amüsement für die ganze Familie. Das Orga-Team rund um Frank Liedke wird sich richtig ins Zeug legen, damit es Anfang November wieder heißen kann: Es ist angerichtet. Die besten Badminton-Cracks der Welt sind zu Gast!
Alle Informationen zum Grand Prix Gold Turnier unter: www.bitburger-open.de
Hier findet sich auch die Auslosung: Menüpunkt „Turnierinfo“, Unterpunkt „M/Q-Report“.